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Dermatologie & Allergologie

Ulcus cruris: Diagnose

Ulcus cruris (Ulkus der Haut)

Definitionen

Ulzera und Erosionen sind Substanzdefekte der Haut, die durch Zerfall krankhaft veränderten Gewebes entstehen. Durch die krankhafte Vorschädigung des Gewebes besteht meist eine schlechte Heilungstendenz. Erosionen betreffen die Epidermis und die papilläre Dermis und können narbenlos abheilen. Ulzera betreffen die gesamte Dermis und eventuell auch tiefer liegende Gewebe (Subkutis, Muskel, Sehnen, Knochen). Die Abheilung erfolgt immer mit Narbenbildung.

Differenzialdiagnose des Ulcus cruris

"Ulcus cruris" ist keine Diagnose, sondern nur ein Symptom einer Wundheilungsstörung am Unterschenkel, die durch vaskuläre und andere Faktoren bedingt sein kann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist daher die korrekte Diagnostik. Häufig besteht eine multifaktorielle Ätiologie.

Ätiologie von Unterschenkelgeschwüren
  • Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Periphere Neuropathie (häufig Diabetes mellitus, aber auch Nervenverletzungen, exogen-toxisch, perniziöse Anämie und andere Ursachen)
  • Seltenere Ursachen:
    • Infektionen, z. B. Pyodermien, tiefe Mykosen, Mykobakteriosen
    • Kalziphylaxie bei chronischer Niereninsuffizienz und Hyperparathyroidismus
    • Necrobiosis lipoidica bei Diabetes mellitus
    • physikalisch/chemische Noxen, z. B. Strahlenulkus, Verbrennung, Erfrierung, Dekubitus
    • Pyoderma gangraenosum
    • Thrombangiitis obliterans
    • Tumoren, z. B. Plattenepithelkarzinom, Basaliom, Melanom, Lymphome, M. Kaposi
    • Vaskulitiden Livedo-Vaskulitis, Panarteriitis nodosa, Antiphospholipidsyndrom

 

Venöses Ulcus cruris

Klinisches Bild

Das Ulcus cruris venosum ist Symptom der chronisch venösen Insuffizienz im Stadium III. Typische Lokalisation ist der Bereich des medialen Knöchels, meist wenig schmerzhaft. Die Haut in der Umgebung ist induriert und häufig ekzematisiert. Es finden sich andere Zeichen der CVI ("Corona phlebectatica paraplantaris", Stauungsdermatitis, Atrophie blanche).

Pathogenese

Mikrozirkulationsstörung durch venösen Reflux bei Stammvarikose mit oder ohne chronischen Verschluss der tiefen Beinvenen (postthrombotisches Syndrom, PTS). Nicht selten zusätzliche arterielle Durchblutungsstörung (Ulcus mixtum).

Komplikationen
  • Rezidive: venöse Ulzera neigen zu rezidivierendem Verlauf
  • Wunderysipel: häufige Eintrittspforte für Weichteilinfekte
  • Kontaktekzeme: häufig besteht eine Sensibilisierung gegen diverse Lokaltherapeutika, daher sollen sensibilisierende Substanzen vermieden werden (z. B. Perubalsam, Lokalantibiotika)
  • Lymphödem: distal der Ulzera, besonders bei Ausbildung eines Gamaschenulkus
Diagnostik
  • Venöser Gefäßstatus (Doppler-, Duplex-Sonographie, Photoplethysmographie, Phlebographie)
  • Arterieller Gefäßstatus bei Bedarf
  • Mikrobiologische Diagnostik (Abstriche, Gewebeproben)

Arterielles Ulcus cruris

Klinisches Bild

Oft an der Außenseite des Unterschenkels, meist sehr schmerzhaft. Die Ulzera sind tief, meist nekrotisch belegt. Das Bein zeigt Zeichen der arteriellen Unterversorgung (kühl, pulslos, blass).

Pathogenese

Gewebsuntergang durch mangelnde Blutversorgung, oft Kombination mit Mikroangiopathie, Diabetes mellitus und mechanischen Faktoren (Dekubitus).

Komplikationen

- Weichteilinfektionen
- Extremitätenverlust

Diagnostik
  • Arterieller Status (Palpation, Oszillographie, Doppler-, Duplex-Sonographie, Angiographie)
  • Mikrobiologische Diagnostik (Abstriche, Gewebeproben)

 

Der diabetische Fuß(siehe auch Diabetischer Fuß)

Klinisches Bild

Der diabetische Fuß manifestiert sich an der Haut als so genanntes Malum perforans pedis und als diabetische Gangrän. Beim Malum perforans besteht ein scharf begrenztes Ulcus an typischen Druckstellen im Bereich der Vorfüße und/oder der Großzehen. Beginn mit Hyperkeratose (Klavus). Die Ulzera sind meist sehr tief, schmerzlos und von Osteomyelitis begleitet, es besteht meist keine manifeste Makroangiopathie. Von der diabetischen Gangrän sind meist Zehen oder Fersen betroffen. Beginn mit Schwellung, livider Verfärbung und Ausbildung einer trockenen oder feuchten Gangrän. Es besteht eine Makroangiopathie. Bei manchen Patienten fehlen systemische Entzündungszeichen trotz bestehenden Weichteilinfektes.

Pathogenese

Sensorische Neuropathie führt zu kontinuierlicher Traumatisierung, Fußdeformierung und Fehlbelastung. Mikro- und Makroangiopathie begünstigen den Gewebsuntergang, der wegen der Sensibilitätsstörung meist zu spät bemerkt wird.

Komplikationen
  • Weichteilinfektionen, Osteomyelitis
  • Extremitätenverlust
Diagnostik
  • Arterieller Status
  • Knochenröntgen, Magnetresonanz, Szintigraphie
  • Neurologischer Status
  • Mikrobiologische Diagnostik (Abstriche, Gewebeproben)
  • Labor (Entzündungszeichen, Stoffwechsellage, Nierenfunktion)
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Letztes Update:25 Februar, 2009 - 18:15